Pilzkrankheiten



Falscher Mehltau (Rebenperonospora) – schwierig zu erreichen

Ein erheblicher Teil des europäischen Fungizidverbrauchs geht auf das Konto des Weinbaus. Dennoch schätzt man die Verluste durch die aus Amerika eingeschleppte Rebenperonospora (Blattfallkrankheit) auf 10.000 € pro Hektar und Jahr. Der Erreger, der Oomycet Plasmopara viticola, dringt über die Spaltöffnungen sehr schnell in Blätter und Beeren ein und ist im Innern der Pflanze mit chemischen Pflanzenschutzmitteln kaum zu erreichen. P. viticola ist nach dem Schlüpfen nur als Zoospore (bewegliche, begeißelte Zelle) zu bekämpfen. Die Dauer dieser mobilen Lebensphase beträgt nach unseren Forschungen kaum eine Viertelstunde. Der Einsatz von Fungiziden ist der Öffentlichkeit allerdings kaum zu vermitteln, der Kunde möchte gerne „reinen“ Wein eingeschenkt haben. Es werden dringend Alternativen benötigt. Wir untersuchen daher vor allem die frühen Stadien des Infektionsprozesses.

Die Natur hält Lösungen bereit: Wildreben aus Nordamerika, die sich über viele Millionen Jahre gemeinsam mit Plasmopara entwickelt haben, können sich wehren. Diese Wildreben eignen sich aber nicht zur Weinherstellung, weil sie einen unangenehmen „Fuchston“ (Fehlgeschmack) haben. Man kann jedoch diese Wildreben mit Kultursorten kreuzen. Dann sucht man in der Nachkommenschaft nach Pflanzen, die sowohl die Resistenz, als auch den guten Geschmack von den Eltern geerbt haben. Das ist ein langwieriger Prozess. Auch hier kommt die Forschung ins Spiel – die Weinrebe zählt zu den Pflanzen, deren Erbgut vollständig entschlüsselt wurde. Man kann nun in der Nachkommenschaft mithilfe von molekularbiologischen Methoden schnell die richtigen Pflanzen heraussuchen – schon im Sämlingsstadium. Das spart Zeit, Arbeit und Geld. Neben den schon länger untersuchten amerikanischen Wildreben arbeiten wir hier mit neuartigen Resistenzfaktoren aus sibirischen, aber auch aus der hochbedrohten heimischen Wildrebe (Vitis sylvestris).


 

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